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I love my job – Folge 2 – Interview mit Janina Pernsot – selbstständig

janina

Janina Pernsot, selbständig

Angeblich vergessen Menschen Fakten, die sie während eines Vortrags gehört haben, sehr schnell. Oder merken Sie sich gar nicht erst. Woran sie sich aber oft noch jahrelang erinnern: Wie sie sich bei Deinem Vortrag gefühlt haben.

Janina ist eine der wenigen Menschen, bei denen ich  mich an Beides erinnern kann. Zum einen die Begeisterung, die während eines Vortrages von ihr bei mir ankam, Begeisterung für das Thema Selbstständigkeit. Und – ganz besonders – für die ihrige. Ich kann mich aber auch noch an einige Fakten erinnern. Zum Beispiel, das es nach den Deutschen nur noch ein Volk gebe, das gründungs-fauler und risikoaverser wie wir Deutschen sind. Die Japaner. Das hat mich lange beschäftigt.

Woran liegt das? Und noch wichtiger: Inwieweit tickt Janina anders, das sie sich nicht nur für ihre Selbstständigkeit begeistern kann, sondern damit auch erfolgreich ist?

Im Rahmen meiner „I love my job“ Kolumne stelle ich euch regelmäßig Menschen vor, die Ihren Job lieben. Menschen aus allen Hierarchie-Ebenen egal ob Teilzeitkraft, Freiberufler, angestellt oder selbstständig.

Heute also Janina Pernsot, die für mich wie niemand sonst, das Thema Selbstständigkeit lebt, liebt und verkörpert.

Janina, danke für Deine Zeit.

WAS genau machst du? Mit welchem „Problem“ kommen Menschen zu Dir?

Ich habe mich auf Organisation, Projektmanagement und Soft Skills spezialisiert. Ordnung in den Büroalltag zu bringen, Prozesse und Abläufe zu ordnen und für alle einfacher zu gestalten liegt mir. Es müssen gar keine Probleme sein, mit denen Kunden an mich herantreten, sondern es können auch Wünsche sein: Ein Unternehmen hätte gern effizientere Arbeitsabläufe. Eine Sekretärin möchte ihren Chef besser entlasten – oder ein Chef hat zum ersten Mal eine Sekretärin und würde ihr gern die Zusammenarbeit erleichtern. Eine Führungskraft hat als Ziel selbstsicherer Präsentationen zu halten. Um mal ein paar Beispiele zu nennen.

 

Du warst ja nicht immer selbstständig. Kannst Du kurz deinen Werdegang schildern?

Ich sag immer gern: Ich hab schonmal bei der Müllabfuhr gearbeitet ;)

Ausbildung und Studium hab ich tatsächlich bei Deutschlands größtem Entsorgungsunternehmen gemacht, beides gleichzeitig. Das hat schonmal einen Grundstein für eines meiner Lieblingsthemen gelegt: Zeitmanagement. Wenn du tagsüber arbeitest und am Abend und am Wochenende studierst und vielleicht noch ein paar Freunde behalten möchtest, brauchst du das definitiv.

Dann hatte ich die fixe Idee, nochmal ein Vollzeitstudium genießen zu wollen: Mathe. Bin froh, dass ich das ausprobiert habe – und noch glücklicher, dass ich das nach ein paar Wochen wieder drangegeben habe – mit Menschen arbeiten macht mir noch mehr Spaß als mit Zahlen …

Dann habe ich noch viereinhalb Jahre bei einer internationalen Unternehmensberatung gearbeitet. Insgesamt neun Jahre angestellt gearbeitet zu haben ist eine gute Basis für meine heutige Selbstständigkeit.

 

Gab es einen bestimmten Moment, wo Du wusstest, ich will mein eigener Chef sein? Oder ist das eher nach und nach entstanden?

Ich hatte nicht schon als Kind oder jahrelang vor meiner Gründung den Wunsch selbstständig zu sein. Oft äußern auch Leute den Wunsch selbstständig zu sein, weil sie keinen Boss mehr wollen oder weil sie reich werden wollen. Beides sind meiner Meinung nach keine guten Motive, um sich selbstständig zu machen. Ich hatte nie etwas dagegen, angestellt zu arbeiten.

Mir war aber irgendwann klar, auf welche Themen ich mich fokussieren und was genau ich arbeiten wollte – und das war leichter in der Selbstständigkeit.

 

Was mich an Dir immer beeindruckt, ist diese Klarheit die Du bei Deinem Job hast. Und wie Du diesen Status „selbstständig“ liebst. WAS magst Du daran so? 

Oh, ich liebe die Abwechslung! Ich halte Vorlesungen, ich habe große Unternehmen als Kunden, ich halte Trainings vor Gruppen, die begeistert sind oder ich mache auch Termine mit Einzelkunden. Gerade diese Mischung find ich toll – und auch, dass ich nicht jeden Tag das gleiche Thema bearbeite. Und ich bin von den Themen überzeugt und auch begeistert, die ich anbiete. Das kann ich mir ja alles selbst aussuchen als Selbstständige.

 

Du scheinst mir einer der wenigen Selbstständigen zu sein, die von dem theoretischen Privileg sich ihre Zeit einteilen zu können auch wirklich Gebrauch macht. Wie schaffst Du, woran  so viele Scheitern? 

Oh, es gehört tatsächlich Disziplin dazu, mir auch frei zu nehmen – und Mut. Ich kann nur fünf Wochen Hawaii genießen und fast gar nicht arbeiten, wenn ich ansonsten genug Geld einnehme – und auch keine Panik hab, dass mir DER Megakunde durch die Lappen geht. Ich geh da eher entspannt ran: Meine Kunden haben Verständnis dafür, dass ich nicht immer erreichbar bin. Ich möchte ehrlich gesagt gar keine Kunden, die mich rund um die Uhr verfügbar haben wollen.

Und zum Thema Disziplin: Trotz guter Planung hab ich manchmal Tage, an denen ich sehr lange arbeite. Und manchmal erwische ich mich dann, dass ich zu Hause ankomme und denke: UND WAS ARBEITE ICH JETZT??? Dann hätte ich auch Lust weiterzuarbeiten, weil der Energielevel hoch ist. Aber aus Erfahrung weiß ich, dass ich definitiv Ruhepause brauche. Ich hab’s aber auch auf die harte Tour gelernt: Burnout als Angestellte. Jetzt bin ich dankbar dafür. So sorge ich als Selbstständige sehr gut für mich. Und falls ich mal gar nicht abschalten kann: Dann „zwinge“ ich mich mal einen Tag in die Therme – ohne Smartphone … ;)

Und ich liebe diese Flexibilität. Heute zum Beispiel habe ich das extrem gute Maiwetter genossen und mich gesonnt. Jetzt sitze ich in der Meerbar in Düsseldorf und skizziere die Antworten an dich. Dafür arbeite ich ja auch häufiger, wenn andere Feierabend haben: Trainings am Wochenende, Vorlesungen halten am Abend, etc.

 

Aber bei allen Vorzügen, die ich Dir so sehr wie kaum jemanden abnehme: Bestimmt hast auch Du mal einen „schlechten Tag“. Was sind die Nachteile an Deiner Art zu arbeiten? Und wie gehst Du damit um?

Hm, schlechte Tage … Kommt ja ganz drauf an, was schlecht war. Also reflektiere ich ggf. erstmal. Ich spreche gerne offen Themen an, wenn eine andere Person involviert ist. Ich habe auch schon Situationen gehabt, wo ich mich klar abgrenzen musste.

Nachteilig ist sicher, dass oft kein anderer da ist, wenn du ganz allein selbstständig bist und du keine Kollegen mehr hast, mit denen du dich austauschen kannst. Da hilft es, wenn du ein paar Gleichgesinnte kennst, mit denen du dich austauschen kannst. Und in bestimmten Situationen finde ich es auch selbst einfach hilfreich, mich selbst professionell beraten oder coachen zu lassen …

 

Du hattest ja damals das Beispiel mit den Japanern erwähnt. Was ist deiner Meinung nach der Grund dafür, dass wir uns in diesem Punkt so ähnlich sind? 

Die Angst vorm Scheitern ist bei uns besonders ausgeprägt …Und es ist vor allem verpönt zu scheitern – das schürt die Angst noch mehr. Blind drauf loslegen ist sicher nicht gut. Zu viel Start-up-Mentalität á la WIR SCHAFFEN DAS! ohne zu reflektieren, ob mit der Businessidee für einen alleine, geschweige denn auch noch für 5 Geschäftspartner genug Geld zu verdienen ist, ist sicher nicht gut. Aber jahrelang darüber nachzudenken, ohne  mal loszulegen, auch nicht.

Ich hab letztens einen Spruch gelesen, der mir gut gefallen hat: „Machen ist wie wollen – nur krasser.“ Oder um es ein bisschen mehr sophisticated mit Goethe auszudrücken: „Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden; es nicht genug, zu wollen, man muß auch tun.“ Danach handle ich auch gern.

Ich bin ja ein Fan von fest angestellt sein und sich nebenbei selbstständig machen. Du hast sehr schnell einen klaren Strich gezogen. Was rätst du Menschen, die mit dem Gedanken spielen diesen Schritt zu gehen: Worauf sollten sie achten?

Du solltest überzeugt sein von dem, was du arbeiten willst. Und du musst auf jeden Fall die „Unsicherheit“ der Selbstständigkeit aushalten können.

Janina, Danke für den Einblick in das Thema Selbstständigkeit und viel Erfolg weiterhin. Ich weiß, es stehen ein paar spannende neue Projekte bei Dir an. Wer darüber auf dem Laufenden bleiben will oder sich Ordnung und Struktur in seinen Alltag bringen lassen möchte, wird hier fündig: Pernsot Consulting oder auf ihrer Facebookseite: 

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