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Anni goes Africa – vom Traum zur Tat

Anni ist cool. Klar. Selbstbewusst. Weiß genau was sie will. So mein erster Eindruck beim Kennenlernen.

„Mein Job nervt mich, ich will doch als Entwicklungshelferin nach Afrika, das will ich schon seit ich 12 bin. Und jetzt versauere ich in einem Sachbearbeiter Job. Ich langweile mich jeden Tag.“

Völlig klar. Bis sie nachschob: „Aber das Problem ist, ich weiß einfach überhaupt nicht was ich eigentlich will.“ Das fand ich lustig, sie hatte es doch eben sehr deutlich formuliert? Dieses Gespräch wiederholte sich in unserer ersten Coaching-Sitzung. Ich wies sie mal vorsichtig  darauf hin.

Ganz oft erlebe ich das, v.a. bei Frauen. Die spüren oft sehr genau und schon sehr lange was sie WIRKLICH wollen. Und dann ist da so ein Inneres: „Aber das geht sicher nicht so einfach. Würde ja sonst jeder machen. Ich bin noch nicht gut genug. Ich muss erst noch….(10 weitere Ausbildungen machen, disziplinerter werden, „besser“ oder dünner sein, weiß der Kuckuck! Setze einfach DEINE ganz persönlichen „Unzulänglichkeiten“ ein )

Zurück zu Anni. Sie fliegt in ein paar Wochen nach Sierra Leone um dort ihren 3 -jährigen Einsatz als Entwicklungshelferin anzutreten. Sie war ziemlich genau ein Jahr bei mir im Coaching, insgesamt 10 Sessions lang. Zwischen den Terminen hat sie (extrem) fleißig und relektiert ihre „Hausaufgaben“ gemacht.

Es war ihr wichtig, ergebnisoffen die „Anni-Schatzkiste“ zu öffnen, was da noch alles so drin ist an Stärken, Talenten und Besonderheiten. Und ob diese zu ihrem Afrika-Wunsch passen oder ob sie sich da was einbildet. Ob es wirklich „ihr Ding“ ist oder sie sich in etwas verrennt.

Wir haben also ihre Stärken herausgearbeitet, ihre Motivation und ihre Werte. Es gibt verschiede Möglichkeiten, die Stärken in einem selbst auch tatsächlich zu verankern. Anni ist der einzige Mensch den ich kenne, der sich seine Charakterstärken auf Tassen GETÖPFERT hat. Irre.annis-tasse

Wir schrieben Bewerbungen, übten für Vorstellungsgespräche und Assessment-Centers. Ihre Einladungsquote zu Gesprächen stieg von 0% auf 100%. Dass es ein paar mal  in der letzten Runde dann doch nicht klappte war für sie anfangs ziemlich schlimm, so nah dran und dann doch nicht.

Mir zeigte das ganz klar: Nicht nur ihre Freunde, ihre Kollegen und Vorgesetzten trauen ihr das zu, sondern auch die Organsiationen, die suchen. In der letzten Runde ist immer soviel Glück dabei.  Und genau ihr tieftrauriges enttäuscht sein zeigte, ja es ist das was sie sich wirklich wünscht. Aber es hat sich auch gezeigt: Jetzt dran zu bleiben, nicht in ein bockiges „Dann halt nicht“ zu fallen, kein pseudo-erleuchtetes „Es soll halt nicht sein…“ zu seufzen, nein! Um Thomas Edison zu zitieren: „Der sicherste Weg zum Erfolg ist immer, es doch noch einmal zu versuchen.“

Und dann ein Anruf von ihr:

„Hey, Brot für die Welt sucht jemanden für Freetown – ist das nicht cool??“ DAS ist ein Zeichen, das klappt jetzt bestimmt.“

„Hä?“

„Ja FREEE-TOWN, versteht Du nicht?“ (sie buchstabiert es mir ganz langsam, so für’n bisschen Blöde….)

„Äh. Nein…?“

Geduldig erklärte sie mir:

„Ich wohne doch jetzt grad in FREI-burg, und dann eben FREE-town, ist doch dann quasi dasselbe nur in Afrika.“ Ich kann mich beim Schreiben grad schon wieder über diese Geschichte kaputt lachen. Das war so eine gedankliche Verknüpfung, die mir in 10 Jahren nicht eingefallen wäre, für sie war das völlig logisch. Schien ihr das Ziel „Afrika“ doch innerlich immer noch ein bisschen unerreichbar, fiel der „mentale Umzug“ von Freiburg nach Freetown leicht. Und mit genau dieser Energie, diesem Selbstverständnis nun ins afrikanische Freiburg zu ziehen, ging sie in den 5-tägigen Auswahlprozess in Berlin. Im Gepäck ihre Stärken, Werte, Ihre Motivation und ihr  Selbst-Bewusstsein.

Die anderen Bewerber hatten keine Chance …

Wenn ich ihren Prozess zusammenfasse würde ich sagen, es waren 4 wesentliche Schritte:

1)   Zu sich selbst ehrlich sein. Sich eingestehen und klar machen, was man wirklich wirklich will. Keine Energie mehr darauf verwenden, ob man wohl gut genug ist. (das entscheiden eh andere!)

2)   Sich Unterstützung suchen, wenn man allein nicht weiter kommt. Sich mit Menschen umgeben, die Mut machen, dich an deine Erfolge erinnern, die dich wertschätzend und positiv sehen.

3)   Zu anderen ehrlich sein: Es laut aussprechen, auch gegenüber anderen. Zunehmend auch gegenüber anderen, die einen dabei unterstützen können (Vorbilder, Vorgesetzte, Menschen die das schon erreicht haben…)

4)   Machen. Auch und gerade wenn man denkt „man sei noch nicht soweit“. Das ist man vom Gefühl her fast nie! Einfach schon mal vorgehen, bis auch das Selbstverständnis so weit ist und nachkommt. Und plötzlich ist man da. Manchmal sogar vor dem Selbstverständnis…

Liebe Anni, Ich wünsche dir alles erdenklich Gute. Danke, dass ich deine Geschichte bis hier her erzählen durfte. Nun schreibe sie weiter. Komm gut an, in Afrika und bei dir. Pass auf dich auf und verändere die Welt!

Ich hoffe, ich kann dich dann nächstes Jahr für meine „i love my job“-Kolumne porträtieren. Ich könnte ja eigentlich mal nach Freetown fliegen. Das muss irgendwo bei Freiburg sein ;-)

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