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I love my job – Folge 3 – Interview mit Roxana Domi, Friseurmeisterin

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Was haben der Schriftsteller Hermann Hesse und die Friseurmeisterin Roxana Domi, Inhaberin des wunderschönen Salons „Ikone“ aus München gemeinsam?

Beide wussten schon mit 12 Jahren genau, was sie später einmal werden wollten. Während Hesses Eltern ihn für seinen Wunsch Schriftsteller zu werden in eine Psychiatrische Heilanstalt steckten, die ihm diese Flausen auszutreiben sollte, er viele Jahre kämpfte, Lehrstellen in „vernünftigen“ Berufen antrat und auch gleich wieder hinschmiss, ging Roxana unaufgeregt und zielstrebig ihren Weg. Und wenn die heute 37 jährige stolz in ihrem eigenen Salon steht und mir erzählt, das war schon immer ihr Traum und sie möchte niemals etwas anders tun, dann wird in mir natürlich alles hellhörig, selbst wenn ich grad mit klatschnassen Haaren auf einem Friseurstuhl sitze….

Und schon haben wir sie – eine neue Kandidatin für meine I love my Job- Kolumne – in der ich euch zu jedem Monats-ersten Menschen präsentiere, die in ihrem Job aufgehen, die beruflich „angekommen“ sind. Und was sie dafür getan haben.

Roxana, Danke für deine Zeit. Erzähl mal was dich an deinem Beruf so fasziniert.

Ich mag es mit Menschen in Kontakt zu sein, mich faszinieren die unterschiedlichen Charaktere. Sie schöner machen und ihnen dabei zuhören, das liebe ich. Haare sind einfach etwas Tolles und tragen soviel zum Selbstbewusstsein einer Frau bei. Heute kann man soviel machen, es gibt für fast jedes Problem eine Lösung.

Wie war dein Werdegang?

Da mir mit 12 schon völlig klar war, was ich werden will, ging ich schon in der Schule beim Pflichtpraktikum zum Friseur. Meine Lehrerin war der Meinung, ich sollte unbedingt mein zweites Praktikum wo anders machen, mir noch einen weiteren Beruf ansehen. Von außen betrachtet sicher ein nachvollziehbarer Ratschlag, aber ich war so überzeugt von dem was ich wollte, dass ich mithilfe der Friseurmeisterin den zweiten Praktikumsplatz absagte und auch dieses bei ihr verbrachte. Alles andere schien mir Zeitverschwendung. Bei ihr habe ich später auch meine Lehre gemacht, das war für mich der beste Einstieg. Sie war sehr hart, ich habe mir die Finger blutig geübt, stundenlang an Perücken-Puppen frisiert. Aber sie erkannte auch Leistung an. Nach dem zweiten Lehrjahres bekam ich von ihr zu Weihnachten eine 400 Mark Jacke geschenkt, vor der ich mir monatelang im Schaufenster die Nase platt gedrückt hatte. Ihre Begründung für dieses völlig überdimensionierte Geschenk? Ich hätte bereits im zweiten Lehrjahr mehr Umsatz, mehr zufriedene Stammkunden als die ausgelernten Kollegen. Da war ich schon stolz und wusste, ich bin auf dem richtigen Weg. Ich war dann noch einige Jahre in einem anderen Salon, machte meinen Meister und hatte zum Schluss die Leitung für 4 Salons. Aber ich wollte eigentlich immer selbstständig sein und die Dinge so umsetzen, wie es mir richtig erscheint. Vor fast 10 Jahren hab ich dann den Sprung gewagt und bin seitdem hier in diesem Laden hinter dem Viktualienmarkt.

Was sind Schattenseiten an deinem Beruf?

Na alles was als Selbständige eben so anfällt, aber nichts mit meinem eigentlichen Job zu tun hat. Buchhaltung und so Dinge, für mich ist das nur Zeit, die ich nicht beim Kunden bin. Aber es muss eben gemacht werden. Auch ist das Arbeitspensum natürlich oft sehr hoch. Im Juli hab ich 3 Wochen Urlaub, das hatte ich seit Jahren nicht.

Nicht zuletzt ist da natürlich auch ein wirtschaftlicher Stress. Gerade zu Beginn, wo die Investitionen sehr hoch sind und noch keine Stammkundschaft aufgebaut ist, hatte ich schon schlaflose Nächte. Allein meine Schere kostet 2000 Euro. Neulich wollte jemand damit „nur kurz“ seine Nägel schneiden. Da krieg ich dann auch mal einen Anfall…

Aus diesem wirtschaftlichen Stress zu Beginn ist aber etwas ziemlich einmaliges entstanden, meines Wissens gibt es das in München – vielleicht sogar in Deutschland – kein zweites Mal:

Ja, wir hatten ein Baustellen-Gerüst vor dem Haus, über zwei Jahre, mein Laden war noch nicht so bekannt und jetzt in der Seitenstrasse nicht mehr zu erkennen, ich musste fast ein Jahr kämpfen, für ein kleines Plakat am Anfang der Straße das auf meinen Laden hinwies. Die Laufkundschaft blieb aus. Ich musste aber meine Miete JETZT bezahlen. Da kamen wir auf die Idee, ein Friseurabo anzubieten, 3 Monate, du kannst kommen so oft du willst, ob alle 4 Wochen zum Spitzen schneiden, jedes Wochenende zum Stylen fürs Weggehen oder zur Wiesn zur Flechtfriseur machen.

Dies bieten wir für Frauen für nur 80 Euro im Monat an, aber vorab für 3 Monate zahlbar. Wir machten Werbung dafür, das Angebot schlug ein wie eine Bombe, es kam schnell Geld rein, ich konnte meine Miete bezahlen und wir gewannen in kurzer Zeit viele Stammkunden. Die einzige Kritik hierzu kam dann von einem Mann: “Wieso werden so Sachen immer nur für Frauen angeboten?“ Wir waren erstaunt, erweiterten unser Angebot aber sofort um Männer. Das Friseur-Abo ist zu unserem Markenzeichen geworden.

Vor 4 Jahren bekamst du dann eine sehr nette Kollegin….?

Ja, meine kleine Schwester wollte auch unbedingt Friseurin werden. Ich war anfangs dagegen, da ich fürchtete, es ist vielleicht gar nicht so sehr „ihr Ding“, sondern ich einfach nur ihr Vorbild. Aber sie ist ja so stur und hat sich natürlich durchgesetzt. Mir war wichtig, dass sie ihre Lehre wo anders macht, ich wäre sicher zu nachgiebig gewesen. Vor 4 Jahren wechselte sie dann als ausgelernte Friseurin zu mir in den Laden. Seitdem sind wir einfach ein perfektes Team.

Was ist euer Erfolgsgeheimnis?

Wir reagieren schnell und flexibel auf die Bedürfnisse unserer Kunden. Früher als es die Schrannenhalle gleich gegenüber noch gab und dort Donnerstags immer Party war, hatten wir z.B. bis 22 Uhr offen und hatten die Mädelsgruppen hier, die sich bei einem Glas Prosecco zum weggehen stylen ließen. Aktuell ist eher Freitag unser wichtigster Tag. Zur Wiesn sind wir ebenfalls sehr lange da und stylen den ganzen Tag Wiesn-Friseuren.

Wir sind professionell, haben beide einen sehr hohen Anspruch an uns selbst, bilden uns ständig weiter. Gleichzeitig geht es bei uns locker und familär zu, ich glaube fast jeder fühlt sich sehr schnell wohl.

Wir fragen uns oft: „Was würde ich mir als Kundin wünschen?“ und dann setzen wir das um. Die besten Ideen haben wir, wenn wir mal Pause machen, einen Kaffee trinken und einfach nur reden.

Roxana, wenn alle so wären wie du, wären Coache wie ich arbeitslos. Ein zweites typisches „Coachinggebiet“ habt ihr auch idealtypisch gelöst – die Aufgabenverteilung zwischen Euch beiden nach euren Stärken.

Ja das stimmt, auch wenn mir das nie so bewusst war. Ich liebe alles was mit Haaren zu tun hat, schminke aber nicht gerne. Meine Schwester schminkt gerne die Kunden und hat unser Studio um ein Nagelstudio erweitert. Mir ist alles Technische ein Graus, sie pflegt unsere Internet- und Facebookseite gern. Sie hat viele neue Ideen, die sie auch schnell sofort umsetzen will, ich bedenke gern die Folgen, rechne es finanziell durch und schlafe lieber mal eine Nacht länger drüber. So setzen wir mehr um, als ich es alleine je tun würde, das was wir umsetzen läuft aber auch und steht auf soliden Beinen. Wir sind schon ein ziemlich gutes Team, und das obwohl sie 13 Jahre jünger ist als ich.

Du bekommst bei deiner Tätigkeit viel Anerkennung von deinen Kunden, etwas was „Büromenschen“ oft eher verwehrt bleibt. Was war deine schönste Anerkennung, die du bekommen hast?

Na, das Strahlen in den Augen meiner Kunden wenn sie glücklich in den Spiegel gucken, ist jeden Tag wieder toll. Etwas was mir seit vielen Jahren im Kopf geblieben ist: Ein (männlicher!) Kunde meinte mal, „Roxana, du siehst die Menschen auch in ihrer inneren Schönheit und bringst diese nach außen.“ Mir wurde da erst bewusst, auf wie viele Dinge ich unbewusst achte, wenn eine Kundin den Laden betritt. Ihr Ausdruck, ihre Körperhaltung, ich guck ihr in die Augen, ich rede mit ihnen und dann formt sich in mir einfach ein Bild. Ich sehe meist sofort, was man wie am besten umsetzen kann, um nicht nur die optischen Schokoladenseiten zu betonen, sondern auch die Persönlichkeit zu unterstreichen.

Ihre Schwester wirft ein: „Und die beiden, die extra aus Kufstein kommen um zu uns zu gehen, das ist schon auch der Hammer, da freuen wir uns jedes mal wieder drüber.“

Was rätst du anderen, die noch nicht „ihr Ding“ gefunden haben?

Ich kann mir das so schwer vorstellen und es macht mich immer traurig, wenn ich mitbekomme, dass jemand seinen Beruf nicht mag, und in Verhältnissen bleibt, die ihn krank machen. Wenn man es wirklich nicht in sich spürt, dann kann ich nur empfehlen verschiedene Dinge auszuprobieren um sich selbst besser kennen zu lernen. So lange probieren bis man wirklich das gefunden hat, was man liebt. Und Geld sollte man zu Beginn nicht in den Vordergrund stellen, vieles was einem Spaß machen könnte, fällt durchs Raster, wenn man nur finanzielle Maßstäbe anlegt. Und aus eigener Erfahrung: Wenn man gut ist – und das wird man wenn man sein Ding mit Leidenschaft betreibt – dann kommt auch der finanzielle Erfolg irgendwann. Aber nochmal: Stell das nicht in den Vordergrund! Es sollte Folge, nicht Zweck deines Tuns sein.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Na, wir wollen uns treu bleiben, aber wir wollen schon noch weiter wachsen. Aktuell überlegen wir, ob wir uns hier vergrößern oder einen zweiten Laden aufmachen. Meine Schwester hat viele Ideen, wir sortieren gerade was wir davon in den nächsten Jahren umsetzen. Sollten wir in einem separaten Raum Massage, Waxing oder Kosmetik anbieten? Wer macht welche Fortbildung dazu? Ich wünsche mir, dass wir es schaffen, weiterhin unserer Intuition und unserer Leidenschaft zu folgen und damit erfolgreich zu bleiben. Und dass wir uns weiterhin so gut verstehen und ergänzen.

Danke für die spannenden Einblicke und weiterhin viel Freude und Erfolg für euch. Wer sich selbst überzeugen will, guckt am besten vorbei, Salon Ikone, Utzschneiderstr. 2, www.ikone-muenchen.de oder auf ihrer facebookseite

 

 

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