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I love my job – Folge 1 – Interview mit Iris Völlnagel, Redakteurin

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Vor kurzem hatte ich das Vergnügen, ihr während eines Mittagessens gegenüberzusitzen. Iris Völlnagel. Mir zu diesem Zeitpunkt unbekannt zog sie mich sofort durch ihre ruhige, klare Art an. Sie hatte eine unglaubliche Ausstrahlung. Freundlich, offen, sympathisch, total präsent während sie mit einem spricht. Ich war gespannt, was „so jemand“ wohl beruflich macht. Und war dann sehr überrascht. Zum einen darüber, was sie macht und wie viel Freude sie dabei ausstrahlt. Zum anderen wie ego-frei, bescheiden und dabei trotzdem stolz und selbstbewusst sie das erzählt hat.

Sie war der gefühlt 100ste Impuls, den ich gebraucht habe, um eine Blog-Kategorie ins Leben zu rufen, die mir immer und immer wieder im Kopf herumschwirrt, hervortaucht, Hallo sagt, um – nach erneuter Nichtbeachtung durch mich – auch wieder abzutauchen: Das verbale Portraitieren der I love my job-People, wie ich sie nenne. Positive Beispiele aus jeder Branche und jeder Hierarchieebene die zeigen, ja ich bin beruflich angekommen, ich bin glücklich, ich habe meinen Platz gefunden und die allermeisten Tage Freude an meinem Job. 

Menschen, die nicht nur fürs Wochenende und den Urlaub leben, die faszinieren mich einfach. So war es auch bei besagtem Mittagessen. Stundenlang könnte ich Menschen zuhören, die das, was sie tun, gerne tun. Und herausfinden,  wie derjenige da hingefunden hat. Wirklich nur Glück und Zufall? Oder gibt es doch Gemeinsamkeiten und klare Handlungsempfehlungen? Könnten noch viel mehr Menschen dahin finden?

Ich bin gespannt, auf was für Erkenntnisse wir in den nächsten Monaten stoßen werden. Ich habe nämlich noch so einige schillernde Persönlichkeiten im Köcher. Lasst Euch überraschen und inspirieren. 

Ich freu mich so sehr auf die Erste in der Reihe der „I love my job-people“… IRIS VÖLLNAGEL
Liebe Iris, Danke für Deine Zeit. Du hast einen Job, den glaub ich jeder erstmal als spannend erachtet: Du arbeitest als Journalistin fürs Fernsehen, für den MDR. Du darfst selbst Fernsehbeiträge erstellen, Leute interviewen, über unterschiedlichste Themen berichten, richtig?

„Ja, ich mache vor allem Nachrichtenbeiträge. Das sind auch Reportagen, aber meist kürzere Beiträge von bis zu 3 Minuten Länge.“

Wie hat es dich dahin verschlagen, wie war dein Werdegang? Wusstest Du schon immer „das ist es“, oder hat sich das so nach und nach ergeben?

„Ich bin ein vielseitig begabter und interessierter Mensch. Das machte die Berufswahl nicht einfacher. Kurz vor meinem Abitur gab es eine Begegnung mit einem Radiojournalisten, bei der es bei mir ‚Klick‘ machte und ich dachte, das finde ich spannend, das möchte ich auch: Menschen interviewen, mich immer wieder neuen Themen zuwenden. Von da ab wusste ich, da will ich hin. Der Journalismus ist jedoch ein frei zugänglicher Beruf. Von daher war der Weg nicht klar vorgezeichnet. Ich bin dann den klassischen Weg gegangen, Studium, Praktikum, Volontariat bei einem öffentlich-rechtlichen Sender. Das würde ich auch jedem empfehlen, auch wenn es viele Wege in den Journalismus gibt.“

Wie genau sieht eine typische Woche aus?

„Typische Wochen gibt es nicht. Typisch ist, dass häufig nichts so ist, wie geplant.“

WAS genau magst Du an Deinem Job so gerne? Was sind die Momente, die so besonders sind, was ist ein „Erfolgserlebnis“ für Dich?

„Ich mag es, dass ich mich mit vielen Themen und Menschen auseinander setzen darf. Ich immer wieder Neues dazu lernen darf. Erfolgserlebnisse sind für mich, wenn Drehs und Interviews klappen, wo vorher andere gesagt haben, das wird nichts.“

Gibt es Schattenseiten?

„Ja, dass ich häufig abends nicht vorher sagen kann, wann ich Feierabend habe. Wir versuchen zwar redaktionsintern darauf zu achten, dass das nicht so häufig vorkommt, aber es lässt sich nicht vermeiden.

Das andere ist, nicht jeder mag dich, wenn du über ihn berichten willst. Ich war mehrfach auf Pegida-Demonstrationen. Es ist nicht schön, wenn dir 5000 Leute „Lügenpresse“ entgegenrufen und das nur, weil du eines machst: Deinen Job.“

Wie gehst Du damit um, wie ziehst Du dich dann wieder raus?

„Ich nehme mir Auszeiten. Versuche, mich auf die wesentlichen Dinge im Leben zu konzentrieren. Mein Job ist wichtig, aber mein Wert als Mensch hängt nicht allein von dem ab, was ich leiste.“

Hast Du noch ein großes berufliches Ziel, einen Traum der „noch offen“ ist? Welcher?

„Ich würde sehr gerne mal im Ausland arbeiten.“

(Anm.: in der Zwischenzeit, seit ich die Frage erstmals gestellt habe bis zu diesem fertigen Artikel hat Iris ein Stipendium erhalten und geht in Kürze für 3 Monate nach China. Wie cool ist das denn?)

Ich darf viele Menschen begleiten, die noch nicht „ihr Ding“ gefunden haben. Welchen Rat würdest Du ihnen mitgeben?

„Auf sich selbst hören und sich gegenüber ehrlich sein: Was ist mir wichtig? Finanzielle Sicherheit, gutes Einkommen, Zeit für Beziehungen, Hobbies, Familie? Was motiviert mich? Und was bin ich dafür bereit zu geben?“

Liebe Iris, vielen Dank für deine Antworten. Ich drücke Dir die Daumen für China und wünsche Dir noch viele Jahre Freude im Job!

Ich glaube, nicht allen ist so früh wie ihr klar, dass Vielseitigkeit und Interesse an mehreren Themen eine Stärke sein kann. Oft hört man diese „Du musst dich entscheiden“-Nummer, von vielen Seiten. Immer wieder kommen Menschen zu mir ins Coaching, die Hilfe suchen dabei „sich endlich auf EINE Sache festzulegen.“ Es ist meist eine große Erleichterung, wenn ich sage, vielleicht musst du dich nicht entscheiden, wir gucken erstmal, wie man die vielfältigen Interessen, in einem (oder auch zwei!) Berufsbildern bündeln kann. Iris ist für mich ein Musterbeispiel, wie das gelingen kann.

Wer sich ein Bild von Ihrer Arbeit machen möchte, wird im Netz schnell fündig. Sofort fällt die Themenvielfalt auf, über die sie berichtet. Ab Sekunde 40 könnt ihr sie z.B. hier sehen.

 

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