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Über Erdnüsse, Werkzeug, Mexikaner und Selbsterkenntnis…

Gestern sass ich in der U-Bahn. Der Nebensitz war übersäht mit leeren Erdnuss-Schalen, ein paar nackte Erdnuss-Kerne dazwischen. Am Boden noch mehr davon. Gegenüber saß eine sehr alte Frau. Ein Mann betritt den Wagon, möchte sich auf den Erdnuss-Platz setzen, sieht die „Unordnung“ und fängt furchtbar zu schimpfen an. Dass das ja eine Frechheit sei, niemand nimmt mehr Rücksicht auf irgendwas, jeder lässt seinen Dreck überall liegen, dass die Jugendlichen ihr Zeug nicht wegräumen können, niemand hat mehr Anstand. Die alte Frau lächelt milde und meint „Ach schimpfens doch net so, das waren bestimmt Kinder, die meinen das doch nicht bös, die sind halt noch ein biserl verträumt und manchmal gedankenlos. Das lernen die schon noch.“

Ich war fasziniert. Im Abteil waren weder pubertierende, rücksichtslos die Welt vermüllende Null-Bock-Jugendliche zu sehen, noch süße verträumte Kinder, die mit großen Augen gedankenverloren Erdnüsse knacken. Da war einfach nur dieser Schalenberg in einer fast leeren U-Bahn. Und jeder der beiden hatte sofort ein völlig klares Bild vor Augen „was passiert war“.

Was war Dein erster Gedanke bzgl. des „Tatortes“? Warum? Und sagt das nicht ziemlich viel über uns aus?

In diesem Zusammenhang ist man schnell auch bei Watzlawaks Geschichte mit dem Hammer … Ein Mann will sich von seinem Nachbarn einen Hammer leihen. Er wohnt 4 Stockwerke über ihm. Beim Hochgehen denkt er sich „Was, wenn er mir den Hammer gar nicht leihen will? Der hat mich neulich schon so komisch angeguckt. Bestimmt mag er mich nicht. Gegrüßt hat er gestern auch nicht, ich dachte er hätte mich nicht gesehen, aber vielleicht hat mich absichtlich ignoriert? Ja so muss es gewesen sein. Aber es ist doch nur ein Hammer, ich brauch ihn doch nur kurz, da muss er sich doch jetzt nicht so anstellen“  und so erklimmt er Stockwerk für Stockwerk… Er kommt oben an, klingelt, der Nachbar öffnet die Tür und unser Freund blafft den verdutzten Nachbarn an „Dann behalten Sie ihren blöden Hammer doch!“ (sehr frei erzählt…)

Zurück zu unseren U-Bahn-Fahrern:

Ich habe vor vielen Jahren das Buch „The Four Agreements“ des Mexikaners Don Miguel Ruiz gelesen. Auf deutsch ist der Titel mit „Die Vier Versprechen“ zwar nicht ganz glücklich übersetzt aber das tut dem Inhalt keinen Abbruch. Es geht um vier Vereinbarungen, die man mit sich selbst treffen soll. Einfache Regeln, deren Anwendung unser Leben und unser Zusammenleben mit anderen sofort erleichtern und uns – ein klitzekleines bisschen amerikanisch – ein unmittelbar glücklicheres Leben in Aussicht stellt. Eine der 4 Regeln lautet

„Don’t make any assumptions.“

Der Autor des Buches verspricht, allein bei Anwendung dieser einen Regel würde sich dein Leben sofort positiv verändern. Ich erwisch mich selbst oft bei einem gedanklichen „Das macht die/der/das doch jetzt nur um mich zu ärgern…“ Aber aus vielen Gesprächen weiß ich auch: Meistens verschwenden die anderen gar nicht soviel Gedanken an uns. Nicht mal daran, wie sie uns ärgern können :-)

Ich hänge immer noch bei den U-Bahn-Fahrern. Irgendwie glaube ich ja, der Mann ist Vater von Jugendlichen … Aber das ist jetzt natürlich nur eine Annahme ;-)

 

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Don’t make any assumptions.
    Im allgemeinen bin ich ja eher wie die alte Dame, aber die Regel sollte ich mir hinter die Ohren schreiben.
    Danke Katharina für den Denkanstoss

    Antworten

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