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„Was ist eigentlich Positive Psychologie?“

Stärken und Schwächen

…das bin ich jetzt ein paar Mal gefragt worden. Was mich sehr freut. Denn es zeigt mir – hey, Leute LESEN meine Website, wie cool ist das denn.

Für mich ist es die Lehre von der radikalen Verlagerung des Fokus. Weg von dem, was stört, was in meinem Leben schief läuft, was „die da oben“ falsch machen, was ich nicht kann, was ich nie lernen werde, was alle anderen besser können, etc. Ich will gar nicht so viele Beispiele aufzählen, damit  Du mir nicht gedanklich auf diese Schiene abdriftest.
Es ist die Lehre von dem was Menschen stärkt, sie aufblühen lässt. Mein Stärken stärken Programm basiert darauf. Und es zieht sich durch alle meine Coachings – mich interessiert immer nur am Rande was „schief“ läuft, und oft ist es schon die erste Herausforderung, wenn ich etwaige Lebensdramen nur kurz und im Nachrichtenstil geschildert bekommen möchte. „Mir reicht die Info“, sag ich dann immer, „lass das Drama drum rum weg“. Für viele ist es Anfangs völlig irritierend, dass ich darauf bestehe, 70-80% der Zeit darauf zu verwenden, was gut ist, wovon Du mehr haben willst, wie Dein ideales Umfeld aussieht, was Du richtig richtig gut kannst. Und wie du das verstärkt einsetzen kannst. Und NICHT darauf, warum im Detail Dein Kollege ein Depp ist und Dein Chef sowieso. Vermutlich hast Du das schon viele mal einer Freundin erzählt. Und? Hat es was geändert? Es führt zu nix. Ich muss das nicht „verstehen“ und nachempfinden können.  Verstehen will ich aber, WER bist Du, WO willst du hin? WAS sind deine größten Talente? Welche Werte willst du stärker leben? Welches Umfeld brauchst Du um aufzublühen

Eine Psychotherapeutin begründete ihren Schritt warum sie heute lieber als Coach arbeitet so: „Mein Job in der Klinik war es, Kranke auf einer Skala von -10 auf Null zu bringen. Und sie danach als „geheilt“ zu entlassen. Mich interessiert aber viel mehr, was bringt sie zu einer +10? Was macht sie glücklich? Und nicht nur medizinisch beschwerdefrei.“ Dem kann ich mich nur anschließen.

Eine sehr schöne Definition, was Positive Psychologie sei, hörte ich mal in einem Vortrag in Berlin:

Die Lehre vom geglückten Leben.

5 Dinge sind es laut 20 Jahren Glücks-Forschung, die für ein geglücktes Leben sorgen:

  1. Das Wissen um die eigenen Stärken
  2. Positive Emotionen
  3. Sinn im Tun finden
  4. Flow
  5. Gute Beziehungen

1 und 3 stellen den Schwerpunkt dessen dar, was ich im Coaching tue. 2 und 4 folgen i.d.R. unmittelbar daraus… aber der Reihe nach:

1. Das Wissen um die eigenen Stärken

Das Spannende beim Stärken ausgraben ist: Es ist alles schon da. Du musst es nur hervorholen, Dir bewusst machen und es in Deinem Selbstbewusstsein verankern. Das fällt uns aus einem Grunde so schwer: Unsere Stärken begleiten uns meist schon unser ganzes Leben und sind uns so selbstverständlich, dass wir sie einfach nicht richtig wahrnehmen können. Wir erachten sie als selbstverständlich. Es fehlt das Kontrastmittel, um sie sichtbar zu machen. Der häufigste Satz, den ich in den ersten Coaching-Stunden höre ist: „Aber das ist doch nichts besonderes. Das kann doch jeder?“

Eine gute Möglichkeit Deinen Stärken auf die Spur zu kommen ist die Folgende: Erstelle eine Liste mit Deinen 10 größten Erfolgen. Gerne auch mehr. Kleine und große Dinge, Hauptsache DU bist richtig stolz darauf. Auch Dinge, die andere keineswegs als Erfolg ansehen würden, die aber für Dich groß waren. Bei mir stehen da z.B. auch so Dinge drauf wie „Job gekündigt um auf Weltreise zu gehen“, etwas was damals von 95% der mich umgebenden Menschen als Wahnsinn, und sicher nicht als „Erfolg“ eingruppiert worden wäre. Also, DEINE Erfolge bitte. Schreib sie am besten gleich auf. Ich warte….

Und jetzt gehe Deine Liste Erfolg für Erfolg durch und prüfe: Warum wurde es zu einem Erfolg? Was hast Du dafür getan? Welche Eigenschaften hast Du eingesetzt? Den roten Faden findest Du meist sehr schnell. Wenn nicht, lass Dir helfen. Erzähl es jemandem. Oft erkennt man Dinge leichter, wenn man sie laut ausspricht. Und auch Dein Gegenüber hat sicher eine Meinung dazu. Frag ihn.

 2. Positive Emotionen

Hier gilt klar: Je öfter desto besser. Barbara Fredrickson, die seit vielen Jahren zum Thema positive Emotionen forscht schreibt an verschiedenen Stellen immer wieder: Die Häufigkeit und Regelmäßigkeit ist das Entscheidende, nicht die absolute Intensität des Erlebten.

Andere Studien aus der Gehirnforschung bestätigen das: Neurologisch ist es für das Gehirn wichtiger, öfter kleine schöne Momente bewusst wahr zu nehmen, als alle paar Jahr einen seltenen Mega-Glücksschub zu erleben, den eine neue Liebe oder die Zusage zum Traumjob verursachen.

Aha. Positive Emotionen sind also gut. Mehr sind besser. Und jetzt? Woher nehmen und nicht stehlen?? „In meinem Leben IST aber nunmal grad nichts gut!“ tobte ein Kunde im Erstgespräch. Er war zwecks Jobsuche von seinem Psychologen, bei dem er sich gerade in Therapie befand, zu mir geschickt worden. „Sagt dieser Psychologen-Vollpfosten zu mir, ich soll doch mal rausgehen und schauen wie schön es da ist!! ICH HAB GRAD ECHT ANDERE SORGEN!!“ Und GENAU so ticken wir alle manchmal. Erst die Sorgen „abarbeiten“ und DANN später hab ich vielleicht Zeit für so Positiv-Kram. Umgekehrt geht es tatsächlich leichter. Ich könnte ein Buch schreiben über die Wirkung von Erfolgs-/Glücks-/Schöne-Momente-Tagebüchern. (Hm, gute Idee eigentlich…) ABER, hier an dieser Stelle will ich Dich gar nicht überzeugen, mit zig Beispielen, mich eingeschlossen, wann das wie gut funktioniert hat und was die gängigen Erklärungsansätze für dieses Phänomen sind. PROBIER ES BITTE EINFACH AUS! Es gibt die unterschiedlichsten Varianten. Morgens 5 Punkte für die du wirklich dankbar in Deinem Leben bist. Abends vor dem Schlafen, 5 kleine schöne Momente des heutigen Tages festhalten. Und zusehen, wie diese jeden Tag größer werden (dasselbe passiert übrigens mit unseren Sorgen wenn wir sie immer und immer wieder in allen Varianten erzählen….) Andere schreiben ihre kleinen Erfolge des Tages auf. Und eben NICHT die unerledigte To Do Liste. Sondern alles was gut lief. Mach es einfach mal einen Monat. Ja auch wenn Du grad echt andere Sorgen hast :-)

3. Sinn im Tun finden

Ich dachte lange, Punkt 1 sei der Wichtigste. Sobald ich meine Stärken kenne UND ein Umfeld finde in dem ich soviel wie möglich davon einbringen kann, werde ich zumindest mal zufrieden. Kurzfristig stimmt das auch. Aber wenn mein Handeln nicht mit meinen Werten übereinstimmt, wird es mittelfristig „knirschen“. Ja vielleicht hab ich eine spannende Stelle als Social Media Manager, kann mich kreativ austoben mit hohen Freiheitsgeraden und einem coolen Team. Aber nicht jeder möchte dies z.B. für einen Rüstungskonzern tun. Oder als Veganer die neueste Wurstkreationen einer Großmetzgerei möglichst ansprechend bewerben. Ein sehr sportlicher und gesundheitsbewusster Art-Creative-Was-Weiß-Ich-Director einer echt wichtigen Werbeagentur meinte mal völlig frustriert zu mir „Was für ein Nonsense-Job. Da ackern wir alle nächtelang durch um irgendeinem neuen Zuckerwasser Werte wie „Freiheit“ und „Fun“ anzudichten. Und wenn wir richtig richtig gut sind, trinken die Menschen mehr von diesem Zuckerwasser. Wie dämlich.“

4. Flow

Ja der Begriff ist sicher etwas überstrapaziert. Und es gibt zig Bücher darüber. Für mich ist es das Aufgehen in einer Sache, ohne nach dem „Lohn“ daraus zu fragen. Es entsteht wenn man seine Stärken einsetzt, aber auch wenn man es schafft, im aktuellen Augenblick zu leben. Es entsteht eher selten aus einer passiven Tätigkeit heraus, sondern wenn man sich außerhalb seiner Komfortzone bewegt, wenn Körper oder Seele aktiv tätig sind, vielleicht sogar ans Limit gehen. Viele haben dies daher bei Tätigkeiten wie dem Klettern oder anderen Extrem-Sportarten. Einarmig in einer Wand hängend, kann es ausgesprochen ungesund werden, sich zu überlegen was ich morgen koche, anziehe, oder ob das Projekt in der Arbeit wohl scheitert. Ich bin gezwungen, im Augenblick zu bleiben. Und das scheint extrem gut zu tun. Ich habe noch die Hoffnung, das geht auch ohne Extrem-Sport ;-)

5. Gute Beziehungen

Nun, das ist nicht direkt mein Hauptthema. Trotzdem geht es natürlich bei vielem was ich lese um bessere Beziehungen, gezieltere Kommunikation, mehr Nähe. Einem der einfachsten und effektivsten Ansätze denen ich je begegnet bin  stelle ich euch nächste Woche vor. Ich verspreche Dir, wenn Du Dir 10 Minuten Zeit dafür nimmst, werden sich Deine Beziehungen zu Dir nahestehenden Menschen deutlich, in manchen Fällen dramatisch, verbessern.

Ach ja, und ab Ende Mai mach ich sogar eine Ausbildung in Positiver Psychologie. Und dann bin ich zertifiziert positiv. Extrem cool.

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